Colombia

On the Brink of Paradise

Kolumbien: Ein Land und seine Menschen zwischen Paradies, Guerilla, Drogen und der Abwesenheit des Staates

 

Titelinformation

Fotografien von Luca Zanetti. Mit Texten von Anamaria Bedoya Builes, Alfredo Molano und Luca Zanetti

1. Auflage

, 2018

Text in Englisch

Gebunden

ca. 240 Seiten, 186 farbige und 31 sw Abbildungen

16 x 23.5 cm

ISBN 978-3-85881-814-0

Inhalt

Seit achtzehn Jahren dokumentiert Luca Zanetti das Leben der Landbevölkerung in Kolumbien: Seine beeindruckenden Farbfotografien zeigen uns den Alltag von Kleinbauern, Cowboys und Ureinwohnern in einer paradiesisch schönen Landschaft. Doch das naturnahe Leben ist seit Jahrzehnten geprägt von Ungerechtigkeit und Gewalt. Der Konflikt zwischen Guerillagruppen, Paramilitärs und Regierungstruppen und der Krieg gegen Drogen, zu dem auch die Vernichtung der Kokaplantagen gehört, sowie die Abwesenheit funktionierender staatlicher Strukturen haben Tag für Tag Auswirkungen auf das Leben der Menschen. In thematische Kapitel gegliedert, zu denen die Journalistin Anamaria Bedoya Builes informative Einführungen geschrieben hat, führen Zanettis Bilder ein Leben zwischen Tradition und Moderne, zwischen Katastrophe und Paradies vor Augen. Der angesehene Soziologe und Publizist Alfredo Molano erläutert in seinem Essay die historischen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe. Luca Zanetti selbst beschreibt seine Arbeit in Kolumbien und die Gründe, weshalb ihn dieses Land fasziniert.

 

Edición española

Autoren & Herausgeber

Anamaria Bedoya Builes

 (*1988 in Medellín), Journalistin und Zeitungsredaktorin in Bogotá.

Alfredo Molano

 (*1944 in Bogotá), Soziologe und einer der angesehensten Publizisten Kolumbiens.

Luca Zanetti

 (*1971 in Mendrisio), Fotojournalist. Mitglied der Fotoagentur Laif und Arbeit u.a. für The New York Times, Der Spiegel, Stern, Geo, Time und das SZ Magazin. Lebt in Zürich und Bogotá.

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Cover

Copyright für die Fotografien: © Luca Zanetti

Santa Barbara – Boyacá, 2004: In dieser Berglandschaft entdeckte der Smaragd-Zar Victor Carranza (1935–2013) zwei der wertvollsten Smaragde, die je gefunden wurden: den sogenannten «Fura», mit 11’000 Karat der grösste bis dahin gefundene Smaragd, und den «Tena», 2’000 Karat gross und von einem dunklen Grün, das ihn wertvoller machte als alle anderen Steine.

Pie de Patò – Choco, 2006: Weder Maultiere noch Pferde sind fähig, den steilen und rutschigen Pfad über den Chachajo zu nehmen, von einem lokalen Priester «Pass der Armen» getauft. Wenn es darum geht, einen kranken Menschen in die 80 Kilometer entfernte Stadt Quibdo zu bringen, ist der 47-jährige Adelino Hinostroza der bewährteste und daher gesuchteste aller sogenannten «paseros».

Altos de Agua Bonita – Guaviare, 2006: Seit jeher bewohnen die Nukak das Gebiet zwischen den Flüssen Guaviare und Inírida – tief im tropischen Regenwald am Rand des Amazonasbeckens. Sie gehören zu den letzten Gruppen nomadisierender Jäger und Sammler. Von ihrer Existenz hat man erst seit etwas mehr als 30 Jahren Kenntnis.

Coscuez – Boyacá, 2004: Das Geschäft mit Smaragden war über Jahrzehnte in der Hand von einigen wenigen Familienclans, die sich um die alleinige Kontrolle über die Minen immer wieder auch Gefechte lieferten. Der sogenannte «Grüne Krieg» dauerte von 1986 bis 1990 und forderte 4’000 Menschenleben.

Huisitò – Cauca, 2007: Carolinas Vater war Anführer von Landarbeitern, als er von den Schlägern eines lokalen Landbesitzers gezwungen wurde, sein Land zu verlassen. Ihr Elternhaus wurde dreimal niedergebrannt, ihr älterer Bruder getötet. Nachdem ihre Mutter an Krebs gestorben war, heiratete ihr Vater erneut – und verlor auch diese zweite Familie in einem Massaker, das die Paramilitärs begingen. «Vielleicht hilft das zu verstehen, warum wir kämpfen. Die Geschichte hat uns mit sehr bitteren Erinnerungen zurückgelassen.»

Catrù – Choco, 2009: Allein in der Region Alto Baudò registrierte die staatliche Unit for Assistance and Reparation of Victims (UARIV) seit 1985 mehr als 16‘000 vertriebene Emberas. Afrokolumbianer und Indigene sind überproportional häufig von Vertreibung betroffen. Obwohl sie bloss 14 Prozent der Gesellschaft ausmachen, bilden sie im Jahr 2010 rund 83 Prozent der Vertriebenen.

Choco, 2009: Entlang des Flusses Baudò und seinen Nebenflüssen wird mit Kochbananen, Holz und Fisch gehandelt; die Flüsse sind die Lebensadern für die Embera und die afrokolumbianischen Gemeinschaften, die dort leben. Da der Baudò in den Pazifischen Ozean mündet, ist er auch eine attraktive Wasserstrasse für Drogenhändler.

Muzo – Boyacá, 2004: In einer Smaragdmine zu arbeiten ist gefährlich, heiss und sehr anstrengend. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Arbeiter keinen Monatslohn erhalten. Der Smaragd-Zar Victor Carranza (1935–2013) soll gesagt haben: «Wenn ich den Minenarbeitern einen Lohn zahle, wer wird dann diese harte Arbeit in den Minen übernehmen?» Das System basiert auf Hunger und der Hoffnung, einmal einen Schatz zu finden, der einen reich macht.

Guaviare, 2010: Durch die USA bezahlte chemische Vernichtung eines Koka-Felds aus dem Flugzeug (Koka ist der pflanzliche Rohstoff für Kokain). Seit das Programm 1994 gestartet wurde, sind 1,75 Millionen Hektaren in abgelegenen Gebieten auf diese Weise vernichtet worden. 2015 erklärte die World Health Organization (WHO), dass das verwendete Glyphosat «wahrscheinlich krebserregend ist für Menschen». Präsident Juan Manuel Santos stoppte das Programm.

Guaviare, 2010: Die Anti-Drogen-Polizei während einer Razzia in einem Labor, das eine Vorstufe von Kokain herstellt. Es befindet sich in einem Gebiet, das die FARC (Revolutionary Armed Forces of Colombia) kontrolliert. Zwei bewaffnete Helikopter eskortieren die Polizisten.

Putumayo, 2005: Die Armee steckt ein tief im Dschungel gelegenes Kokain-Labor, «cocina» (Küche) genannt, in Brand.

Ecuador, 2007: Eine Gruppe Koka-Bauern aus dem südlichen Departement Nariño kommt in Ecuador an. Sie verlassen Kolumbien aus Protest gegen die Überfälle der kolumbianischen Armee, die chemische Bekämpfung aus der Luft, die erzwungene Vernichtung ihrer Ernte. In Ecuador werden sie von der Armee gestoppt und in ein Aufnahmelager gebracht, wo sie einen Asylantrag stellen können. Gemäss dem UNHCR leben in Ecuador rund 60’000 Flüchtlinge, 95 Prozent davon sind Kolumbianer; das macht sie zur grössten Flüchtlingsgruppe innerhalb Lateinamerikas.

Bahía Málaga – Valle del Cauca, 2010: Halbtauchboote wie dieses sind seit 1998 im Einsatz, sagt ein Mafia-Kapitän. Als Boot mit einem alles verschliessenden Deck, sind sie für den Kokain-Schmuggel geeignet. Die Bauart des Boots lässt sie «unter dem Radar fliegen»: Das einzige, was durch den Radar, der die Meeresoberfläche absucht, entdeckt werden könnte, ist der Aufbau mit dem kleinen Ausguck.

Bahía Málaga – Valle del Cauca, 2010: Beschlagnahmte Halbtauch- und Schnellboote auf dem Flottenstützpunkt Bahía Málaga. Die Kolumbianische Marine und Küstenwache hat sie wie Trophäen aufgereiht.

San Rafael – Antioquia, 2010: Sterbliche Überreste eines Massakers, das unter dem Namen «Miners of the river Nare Massacre» bekannt wurde; die Armee tötete 1988 laut einem Augenzeugen 15 Goldsucher am Fluss Nare. Der gerichtsmedizinische Anthropologe Eduardo Ospina Perez analysiert Überreste in Anwesenheit der Familie des Opfers. Im Grab waren zwei Schädel gefunden worden, die Anzahl Knochen liess jedoch auf drei Menschen schliessen.

Medellín – Antioquia, 2009: Im gerichtsmedizinischen Labor in Medellín werden exhumierte Überreste analysiert. Es kann so bestimmt werden, wie die Person getötet wurde, und Morphologiespezialisten versuchen Rasse, Alter und Geschlecht zu eruieren. Zudem werden Verletzungen dokumentiert, was helfen kann, die Suche nach einem möglichen Verwandten einzuschränken. Schliesslich wird ein DNA-Test durchgeführt und nach Referenzen zur DNA möglicher Verwandten gesucht.

Carmen de Atrato – Choco, 2009: Der Familie ist es kurz erlaubt, das amtlich versiegelte Paket zu sehen, das die sterblichen Überreste von Benjamin Bustamante Rios enthält; er wurde im November 1997 durch die FARC (Revolutionary Armed Forces of Colombia) getötet. Der Identifikationsprozess erfordert eine DNA-Analyse vom Knochenmaterial des Opfers, die dann mit der DNA der Verwandten abgeglichen wird.

 

Alle Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit einer Buchrezension verwendet und müssen mit dem entsprechenden Copyright-Hinweis abgedruckt werden, den Sie mit den bestellten Bilddaten erhalten.

 

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